Essstörungen sind Traumafolgestörungen. Hier kannst du dich in einer kurzen Darstellung des Zusammenhangs deines Essproblems mit Entwicklungstrauma darüber informieren:
Der Zusammenhang zwischen Trauma, Nervensystem-Dysregulation und Essproblematik (Essstörungen oder emotionales Essen) ist tiefgreifend und oft eine Überlebensstrategie des Körpers. Ein traumatisches Erlebnis (Schocktrauma) oder chronischer Stress, insbesondere in der Kindheit (Entwicklungstrauma) versetzt das Nervensystem in einen Dauerzustand von Alarmbereitschaft (Sympathikus) oder Abschalten (Dorsaler Vagus), was zu einer Dysregulation führt. Deine Kindheit muss nicht unbedingt sehr schlecht gewesen sein, damit du eine Essstörung entwickeln kannst. Es kann eine ganz normale Kindheit gewesen sein und doch gab es dort fortwährenden emotionalen Streß, der dir vielleicht bis heute nicht bewußt ist, weil er schon immer da war. Gerade dieser unbewußte Streß, eine beständige innere körperliche Anspannung, die du nicht bewußt wahrnimmst, ist in Grunde, die Dysregulation.

Hier ist eine Übersicht der Zusammenhänge:
1. Das dysregulierte Nervensystem nach Trauma
- Dauerstress: Traumata führen dazu, dass das Gehirn Bedrohung überall vermutet. Das Nervensystem bleibt im „Kampf-oder-Flucht“-Modus (Hyperarousal) oder fällt in eine „Erstarrung“ (Hypoarousal/Numbing).
- Fehlende Selbstregulation: Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren. Das Nervensystem findet nicht mehr von selbst in einen entspannten Zustand zurück.
- Verlust des Körpergefühls (Interozeption): Traumata stören die Fähigkeit, innere Körpersignale wie Hunger, Sättigung oder emotionale Anspannung richtig wahrzunehmen.
2. Welche Rolle spielt die Essproblematik?
Essstörungen oder emotionales Essen sind oft maladaptive (ungesunde) Versuche, das dysregulierte Nervensystem zu beruhigen oder mit überwältigenden Emotionen umzugehen.

- Essen zur Beruhigung (Binge Eating/Emotionales Essen): Nahrung wird genutzt, um das Nervensystem aus einem Zustand von Angst oder Erstarrung (Hypoarousal) zu holen und ein Gefühl von Sicherheit zu erzeugen.
- Hungern/Restriktion (Anorexie/Bulimie): Die strenge Kontrolle über Nahrung verschafft ein Gefühl von Kontrolle in einer Welt, die sich durch das Trauma unsicher anfühlt.
- Numbing (Betäubung): Essen oder Hungern dient dazu, traumatische Erinnerungen oder intensive Gefühle zu unterdrücken.
3. Warum ist die Beruhigung des Nervensystems mit der Essproblematik ein Teufelskreis?
Die Essproblematik, die anfangs als „Schutz“ diente, hält das Nervensystem dysreguliert.
- Trauma verursacht Dysregulation.
- Dysregulation erzeugt Not (Angst, Taubheit).
- Essproblematik dient zur kurzfristigen Regulation.
- Der kurzfristige Effekt lässt nach, Scham/Schuld entstehen, das Nervensystem ist weiterhin dysreguliert.
4. Welche Heilungswege (Regulation des Nervensystems) gibt es?
Die Heilung liegt nicht nur im Verhalten (Essverhalten ändern), sondern primär in der Regulation des Nervensystems (traumasensible Therapie).

- Somatische Therapie: Methoden wie bindungs- und beziehungsorientierte Traumatherapie und die Körperpsychotherapie, die im Körper gespeicherte Traumenergie lösen.
- Polyvagal-Theorie: Übungen, die den Vagusnerv stimulieren, helfen, von „Kampf/Flucht“ oder „Erstarrung“ in den sicheren, sozialen Zustand („Social Engagement System“) zu kommen.
- Achtsamkeit und Körperwahrnehmung: Sanftes Wiedererlernen, Körpersignale zu spüren, ohne von ihnen überwältigt zu werden (Interozeption trainieren).
- Traumatherapie: Die Arbeit mit einem Therapeuten, der auf Traumafolgestörungen und Essstörungen spezialisiert ist, ist essenziell.
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Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen und gemeinsam mit dir den ersten Schritt auf deinem Weg zu mehr Wohlbefinden zu gehen.
Mit Herz
Justyna Jung
